Schulchronik

Informationen vorweg

Die Schulchroniken sind zum Teil durch Kriegseinwirkung verloren gegangen und liegen nicht vollständig vor. Deshalb sind Teile der Niederschriften aus Privataufzeichnungen und eigenem Erleben einiger Aufzeichner entstanden.

Grundschule Hemmerde
Schule im Wandel der Zeit

Das Schulwesen im Kirchspiel Hemmerde

Erst mit der Einführung des Christentums im alten Sachsen kam die Anregung zur Gründung von Schulen. Karl der Große empfahl den Besuch der Klosterschulen und den Unterricht bei den Priestern. Die Klöster unternahmen allerdings wenig für das breite Volk, also waren es vornehmlich die Pfarrer, die sich des Schulwesens annahmen und zugleich Lehrer waren. Was sie infolge ihrer Arbeitsüberlastung nicht leisten konnten, überließen sie ihren Küstern. Daraus ist zu erklären, dass das Amt des Lehrers - wenigstens auf dem Lande - eng mit dem Küsteramt verbunden war. Als Unterrichtfächer galten neben Religion Schreiben und Lesen.    1609 erließ der Magistrat in Soest eine Schul- und Kirchenverordnung. Die Pfarrer wurden angehalten, Schulen zu gründen. Küster, die nicht zum Unterricht befähigt waren, durften nicht mehr beschäftigt werden. Eine Verordnung von 1722 besagt, dass zu Küstern und Schulmeistern auf dem platten Land keine anderen Handwerker als Schneider, Leineweber, Schmiede, Zimmerleute und Radmacher angenommen werden sollten. Erst mit der Gründung von Lehrerseminarien wurde für eine gründliche Ausbildung für Lehrer gesorgt. Am ältesten Lehrerseminar in Soest absol-vierten 1818 zum ersten Mal 6 Lehrer ihre Ausbildung.

Zum Vergleich: Eine Lehrerin oder ein Lehrer muss heute als Voraussetzung für sein Studium die allgemeine Hochschulreife besitzen. An das mindestens 6 Semester umfassende Lehramts-studium schließt sich eine zweijährige Referendarzeit an. Erst dann beginnt die  selbständige Arbeit im Beruf, aber auch noch zunächst in einer Probezeit.

Die erste evangelische Schule im Kirchspiel Hemmerde soll Überlieferungen zufolge etwa im Jahre 1570 im Zuge der Reformation eingerichtet worden sein. Etwa um 1625 herum soll ein aus Büderich stammender Mann namens Johannes begonnen haben, katholische Kinder zu unterrichten. Als Schulgebäude dienten zu dieser Zeit die Pfarrhäuser.Schulgebäude in Hemmerde

Schulbesuch - damals

Ein wesentliches Problem stellte auf dem Land schon immer der unregelmäßige Schulbesuch der schulpflichtigen Kinder dar. Vor allem in den Sommermonaten besuchten infolge landwirtschaftli-cher Arbeiten, zu denen die Schüler herangezogen wurden, nur die wenigsten die Schule. Erst ab etwa 1820 nahm der Staat verstärkt Einfluss darauf, dass der Schulunterricht regelmäßig von allen Kindern besucht wurde. Die Lehrer mussten "Absentenlisten" führen, aber den auferlegten Geldbußen versuchten Eltern dadurch zu entgehen, dass sie dem Schulvorstand damit drohten, ihre Kinder in die Schule der anderen Konfession zu schicken. Mittellose Eltern waren nahezu das ganze  Jahr über auf die Mitarbeit ihrer Kinder auf den Feldern und im Haushalt angewiesen und konnten ihnen daher einen kontinuierlichen Schulbesuch nicht ermöglichen.
Angesichts solcher Verhältnisse verwundert es nicht, dass 1871 anlässlich einer Volkszählung eine Analphabetenquote von etwa 6% festgestellt wurde. Auch das Bildungsniveau derjenigen, die lesen und schreiben konnten, war vermutlich zum Teil nicht allzu hoch.

Grundschule Hemmerde - heute

Während  1851 sämtliche 200 evangelischen Schüler noch von 1 Lehrer und 1891 die 196 Kinder von nur 2 Lehrern unterrichtet wurden und nur mit Mühe eine dritte Lehrerstelle eingerichtet werden konnte, werden heute die 100 Kinder von 5 Lehrerinnen und 1 Lehrer in 5 Klassen unterrichtet, d.h. im Schnitt sind 20 Kinder in jeder Klasse. Der Hausmeister und eine Reinigungskraft sorgen dafür, dass ein ordnungsgemäßer Schulbetrieb ungestört ablaufen kann. Für Verwaltungsaufgaben ist die Schulsekretärin einmal pro Woche im Büro.
Auch das jetzige Schulgebäude hat sich im Laufe der Zeit verändert und wurde erweitert. Es bietet nicht nur Raum für Unterricht, in dem grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt werden, sondern es ist gleichermaßen eine Bildungs- und Begegnungsstätte für  unsere Schüler, von der prägende Impulse für den Lebensweg ausgehen.
In den Klassenräumen stehen die Tische nicht mehr so wie früher hintereinander, sondern sie sind in Hufeisenform oder als Gruppentische arrangiert. Durch Regale werden Klassenräume in Spiel-, Lese- und Lernzonen eingeteilt. Es ist und bleibt die entscheidende Aufgabe des Lehrers, die individuellen Be-dürfnisse und Fähigkeiten seiner Kinder zu erkennen und zu fördern. Im differenzierenden Unterricht wird die Individualität des einzelnen beachtet und jedes Kind seinen Interessen und Möglichkeiten entsprechend optimal gefördert. Dieser differenzierende Unterricht ergänzt (und verdrängt nicht) bewährte methodische Konzeptionen und vermittelt so die Grundlagen für ein erfolgreiches Weiterarbeiten in den Schulen der Sekundarstufe I und II.

Zum Unterricht gehören neben der Wissensvermittlung im Rechnen, Schreiben und Lesen natürlich ebenso die Fächer Sachkunde, Religion,  Sport, Musik und Kunst sowie Arbeitsgemeinschaften. Durch das gemeinsame Frühstück, den Morgenkreis und den offenen Schulbeginn werden soziale Verhaltensweisen geübt und geformt. Mindestens ebenso wichtig sind die "aktive Pause" auf dem mit sehr vielen Spielgeräten ausgestatteten Schulhof, Projekttage und Radfahrtraining.
Auch Feste und Feiern kommen nicht zu kurz. So gehören neben der Karnevalsfeier oder dem Sportfest auch die Schulgottesdienste, das Adventssingen, Weihnachtsnachmittage und die Weihnachtsfeier zum Schulprogramm.
Unterricht ist auch nicht zwingend mit dem Schulgebäude im Friedhofsweg verbunden, sondern ebenso wird in der Praxis bei Unterrichtbesuchen auf dem Bauernhof, in der Bäckerei Stricker oder im Bergbaumuseum Höfer in Stockum gelernt. Theaterbesuche, Musikaufführungen und Klassenfahrten runden das Angebot in kulturellem Sinne ab.
Unsere Schule ist auch eine "Verlässliche Schule von 8 - 1" und „13 plus“, d.h. dass Kinder, die an diesen Betreuungsmaßnahmen teilnehmen, grundsätzlich an jedem Schultag von 7.30 Uhr bis 13.15 Uhr bzw. 15.00 Uhr unterrichtet bzw. betreut werden.
Ganz wichtig  ist die gute Zusammenarbeit mit den Eltern, die sich nicht nur auf die Mitarbeit in den Klassenpflegschaften, der Schulpflegschaft oder der Schulkonferenz beschränkt. Eltern helfen mit bei der Bewirtschaftung der Cafeteria an Elternsprechtagen und während des Sportfestes. Sie sind auch  aktiv im Unterricht, an Bastelnachmittagen und in der Begleitung zu außerschulischen Lernorten.
Abschließend sei bemerkt, dass die weiterführenden Schulen in Unna und Werl während der regelmäßig stattfindenden Stufenkonferenzen unseren Lehrerinnen und Lehrern bestätigen, dass Schüler aus unserer Grundschule ein gutes Rüstzeug für ihre weitere schulische Laufbahn erhalten. Analphabetentum - wie noch im 19. Jahrhundert - kann wohl mittlerweile ausgeschlossen werden.

Einige ehemalige Schulgebäude:

Das heutige Wohnhaus der Familie Krämer

Im Hintergrund ist das heutige Schulgebäude zu sehen.

Das heutige Bürgerhaus

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